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16.03.2007: Ernährungskongress / Podiumsdiskussion: Essen zwischen Lust und Frust Drucken  Drucken

Podiumsdiskussion

Experten warnen vor Über-Emotionalisierung des Themas Ernährung – Dennoch sind akkordierte Synergien aller verfügbaren Kräfte dringend notwendig, um bedenkliche Entwicklungen zu stoppen, denn es ist „fünf vor zwölf“.

Wir leben in einer Welt der krassen Gegensätze: Irgendwo auf dem Erdball stirbt alle fünf Sekunden ein Kind an Unterernährung. 850 Millionen Menschen sind vom Hunger zumindest eminent bedroht. In den Ländern der Wohlstandsgesellschaft jedoch leiden 300 Millionen Menschen an krankhafter Fettleibigkeit, und täglich werden es mehr. Adipositas (krankhaftes Übergewicht) ist in der europäischen Region bereits die häufigste gesundheitliche Störung bei Kindern. Neben Adipositas sind es auch Diabetes und andere Krankheiten des Metabolischen Syndroms, die die Alarmglocken der zivilisierten Länder schrillen lassen – denn wie kann man menschliches Leid minimieren, wie die stetig steigenden Krankheitskosten bezahlen?

Bei der Expertendiskussion zum Abschluss des 24. Ernährungskongresses der Diaetologen Österreichs wurde klar: Trotz „naturgegebener“ Auffassungsunterschiede in Detailfragen zwischen Konsumentenschutz, Lebensmittelindustrie, Werbewirtschaft, Ernährungsmedizin, Ernährungswissenschaft und Medizin war der Konsens spürbar: Nicht nur müssen alle, die Verantwortung für Gesundheit haben, an einen Strang ziehen, sondern es muss auch den Menschen die Möglichkeit gegeben werden, durch Information, Wissensverbreiterung und Motivation ihre Lebensverhältnisse aus Eigenem zu ändern. „Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungswissenschaft macht seit 50 Jahren Gesundheitsberatung“, postulierte der Ernährungswissenschafter Peter Stehle von der TU München. Nachsatz: „Und was hat es genützt? – Es ist eine Illusion zu glauben, dass Veränderungen rasch durchgeführt werden können, es handelt sich vielmehr um ein Generationenprogramm“

 

Schuldzuweisungen sind nicht angebracht

Dass Bildung ein wichtiger Punkt zur Problemlösung sein kann, unterstrich der Wiener Sozialmediziner Michael Kunze. „Es ist evident, dass schwächere Bildungsschichten übergewichtiger sind als stärkere“. Doch an Bildung allein liegt es nicht, das Umfeld macht’s. „Wenn an jeder Ecke ein Würstlstand oder ein Döner-Imbiss liegt, dann ist es schon schwer, zu widerstehen“, sagt auch der Werbefachmann Alois Schober. Das bedeutet für Peter Stehle, dass eine mögliche Definition des „gesünderen Lebens“, wenn es um Ernährung geht, lauten könnte „den Verhältnissen trotzen“.

Vor Schuldzuweisungen in die eine oder andere Richtung warnt die Petra Lehner vom Konsumentenschutz der Arbeiterkammer in Wien. „Konsumenten würden ihren Lebensstil ändern, wenn man sie ließe“, zeigt sie sich überzeugt. Lehner kritisierte so manche Kampagnen der Lebensmittelindustrie und speziell Werbung für „ungesunde“ Produkte für Kinder. „Wir müssen von klein auf ansetzen, wenn es um Strategien zur Vermeidung von Übergewicht geht, meint Lehner, denn „was Hänschen einmal lernte, verlernt Hans nur mehr schwer“.

Die seit 19.1.2007 in Kraft befindliche Health Claims Verordnung – eine EU-Verordnung über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben bei Lebensmitteln (in Österreich gilt sie ab 1.7.2007) bringt, so Michael Blass vom Verband der Lebensmittelindustrie, für die Konsumenten Positives. Künftig müssen nämlich nährwertbezogene Angaben wie „fettarm“ oder „light“ genau definierte Vorgaben erfüllen. Diesen Angaben müssen genauso eindeutige wissenschaftliche Beweise zugrunde liegen. Blass ließ keinen Zweifel offen, dass diese Neuerung für die Lebensmittelindustrie auch Nachteile finanzieller Natur mit sich bringt. Doch auch er bekannte sich dazu, dass sehr rasch Strategien gesetzt werden müssten, um langfristig Erfolge zu erzielen. Blass: „Weitsichtige Unternehmen haben damit schon Mitte der 1990er Jahre begonnen. Jede Einzelaktivität ist wertvoll, doch eine Bündelung aller Kräfte ist anzustreben“. Auch Konsumentenschützerin Lehner hält die Claims Verordnung für einen „guten Weg“, wenn sie doch moniert, dass im Sinne der Konsumenten „noch viel mehr passieren müsse“.

 

„Aktionsplan Ernährung für ganz Österreich“ erwünscht

Einen „Aktionsplan Ernährung für ganz Österreich“ als bundesweite Gesundheitsförderungsstrategie wünscht sich Christoph Hörhan, Bereichsleiter im Fonds Gesundes Österreich. Dieser müsse jedoch nicht nur politisch und mit allen Professionals akkordiert sein, sondern auch im Sinne der Bewältigung nicht nur eines gesundheits-, sondern auch eines gesellschaftspolitischen Problems die Bevölkerung aktiv mit einschließen.

 

Kompetenz und Wissen der Diaetologen im Sinne nützen !

Andrea Hofbauer, Vorsitzende des Verbandes der Diaetologen Österreichs unterstrich die Forderung nach der Einbeziehung von Fachpersonen in alle diesbezüglichen Aktionen. „Diaetologen sind die einzige Berufsgruppe in Österreich, die in Prävention und Therapie Ernährungsmedizin durchführen darf. Diese Kompetenz und das breite Wissen der Diaetologen gilt es im besten Sinn des Wortes auszunützen“. Hofbauer bedauerte, dass im niedergelassenen Bereich ungleich zu Deutschland und der Schweiz die Leistungen der Diaetologen in Österreich nicht seitens der Krankenkassen übernommen würden. Damit nimmt man einerseits den meisten Menschen die Chance, fachlich einwandfreie Beratung schon in der Prävention aufzusuchen, bzw. Patienten – also Kranken – die Möglichkeit, sich etwa nach der Diagnose Adipositas fachlich einwandfrei von Experten in ein gesünderes Leben begleiten zu lassen. „Es geht nicht an, dass dies eine Frage des Geldes sein soll“, kritisiert Hofbauer die derzeitigen Gegebenheiten. „Das ist ein Schuss, der nach hinten losgeht“.

 

Appell an die Medien

Strategien hin oder her: „Ernährung war noch nie so gut, so reichhaltig, so billig und so sicher wie heute“, stellte der Sozialmediziner Michael Kunze klar. „Natürlich müssen wir präventive Maßnahmen setzen, natürlich müssen wir warnen und handeln und à la longue gesellschaftliche Veränderungen herbeiführen, aber man sollte auf dem Boden der Realität bleiben“. Alle Experten zeigten sich einig, dass man dieses komplexe Thema nur mit „Vernunft und Verstand“ angehen könne. Gefordert seien- so ein Appell aller Teilnehmer an dieser Podiumsdiskussion - neben den bereits erwähnten Kräften aber auch die Medien, die durch qualifizierte und sachliche Information abseits von „bad news“ und Quote immens viel zur Verbesserung der heute sehr bedenklichen Situation beizutragen.+++

 

Fachliche Rückfragen:

Andrea Hofbauer

1. Vorsitzende,

Verband der Diaetologen Österreichs

Tel. +43 1 600 38 24

@: vorsitzende@diaetologen.at

Website:

www.diaetologen.at

 

Postanschrift:

Verband der Diaetologen Österreichs

Grüngasse 9/Top 20

1050 Wien

Allgemeine Medienanfragen:

Ruth Mayrhofer

pr & mehr.

Tel. +43 664 264 36 31

@: ruth.mayrhofer@apanet.at

 
  

Aktuelles Bildmaterial zum 24.Ernährungskongress der Diaetologen Österreichs kann für die Presse honorarfrei zum Abdruck bezogen werden bei: Bernhard Noll, mail: BERNHARD.NOLL@INODE.AT, Tel. +43-676-54 99 184.

Alle Pressemeldungen zum Ernährungskongress finden Sie auch auf der Website

www.diaetologen.at

 

 

 

     
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